Foto: Henning Schacht

Wie könnte der ideale Arbeitgeber für jemanden aussehen, deren Motto „Mehr Mut, weniger Bedenken“ ist und bei der die Mutter befürchtet, dass ihr ein Job spätestens nach zwei Jahren langweilig wird? Christiane Germann beantwortete die Frage für sich erst mit einem Verwaltungsstudium  und dann mit einer Karriere in verschiedenen Behörden auf kommunaler und Bundesebene. Man sollte aber bei ihr bloß keine Rückschlüsse von teilweise veralteten Vorstellungen des öffentlichen Dienstes auf ihre Persönlichkeit ziehen. Mit dem Internet ist sie aufgewachsen, Facebook, Twitter und Instagram sind ihre täglichen Begleiter. Es passt also, dass ihr Weg sie u.a. ins Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) führte, das so früh wie wenige andere öffentliche Einrichtungen Social Media als Instrument der Öffentlichkeitsarbeit einsetzte. In dieser Zeit startete sie auch ihren Blog Amt 2.0, auf dem sie ihre Erfahrungen mit anderen teilte. Nach und nach wurde sie immer mehr nach Tipps gefragt, sodass sie bald sogar Schulungen anbot. Die Beratung verstand sie zunächst als Hobby.

Zu ihrer heutigen Profession kam sie eher zufällig und an die Selbständigkeit dachte sie damals noch lange nicht. Erst als ihr in Nürnberg ein paar Jahre später die Decke auf den Kopf fiel, sagte sie sich: “Ich brauche Großstadtluft. Entweder zurück nach Köln oder direkt nach Berlin.” Mit der Unterstützung ihrer damaligen  Vorgesetzten wechselte sie ins Bundesministerium des Innern und zog nach Berlin. Von Anfang an fand sie es besonders, abends durch das Brandenburger Tor zu gehen und da zu sein, wo die politische Musik spielt. Für Christiane bietet Mitte genau das, was ihr wichtig ist: Die Spannungen einer Metropole, wenn wie in ihrer Nachbarschaft mit dem Straßenstrich und einem Galerienviertel zwei Welten aufeinander prallen und vieles im Wandel ist. Hier hat sie auch die Möglichkeit, auf den zahlreichen Abendveranstaltungen  Menschen kennenzulernen, die sie inspirieren. “Autorinnen und Beraterinnen waren meine Role Models. Sie haben mir gezeigt, dass jeder tun kann, was er will. Das hat mich ermutigt” und so war für Christiane der Schritt in die Selbständigkeit nicht mehr groß.

Nach einer Phase, in der sie sich nebenbei das zweite Standbein aufbaute, hängte sie 2018 ihren sicheren Job an den Nagel und berät seitdem deutschlandweit Behörden auf dem Weg zum Amt 2.0. Obwohl mit dem Beruf viele Reisen verbunden sind, macht es Christiane “unheimlich viel Spaß, in und mit verschiedenen Behörden zu arbeiten und dort die Begeisterung für eine neue Art von Kommunikation zu wecken. Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich den Rest meines Lebens als Selbständige arbeiten.” Und was kommt in den nächsten zwei Jahres Neues gegen die Langeweile hinzu? Ein logischer Schritt wäre zunächst die Erweiterung der Aktivitäten um Personalakquise und die Bewertung von Stellen. Christiane möchte auch die Informationsarchitektur in Behörden insgesamt angehen und sich langfristig nicht nur auf Social Media beschränken.

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Maren Jasper-Winter