Die Kriminalität im Bereich häuslicher Gewalt ist durch die von den Corona-Pandemie-Maßnahmen erzeugte soziale Isolierung bereits um mehr als zehn Prozent gestiegen. Die Polizei meldet mehr Notrufe, teilweise über 300 pro Woche. Die dauerhafte Anwesenheit aller Familienmitglieder in einer Wohnung, ohne jegliche Möglichkeit diese Situation zu verlassen, birgt viel Konfliktpotenzial. Die Krise ist eine Lupe auf die schon lange bestehenden Probleme häuslicher Gewalt in Berlin. Jetzt müssen wir Betroffenen schnell helfen!

Über die Anfragen bei der BIG-Hotline (Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen e.V) wissen wir, dass im Jahr 2019 nur circa der Hälfte aller hilfesuchenden Frauen ein freier Schutzplatz in einem Frauenhaus vermittelt werden konnte. Für uns steht fest: Die Betroffenen und ihre Kinder dürfen nicht ihrem Schicksal überlassen werden.

Kurzfristig fordern wir deshalb:

Hilfetelefone: Opfer von häuslicher Gewalt haben innerhalb der Wohnung oft keine Möglichkeit sich Hilfe zu holen. Supermärkte sind geöffnet und bieten eine geschützte Umgebung. Hilfetelefone sollen deshalb, wie es auch Apotheken anbieten, auf Supermärkte erweitert werden. Betroffene können so bei Nennung eines Codewortes Hilfe rufen.

Digitale Beratungsangebote: Beratungsangebote von Hilfeeinrichtungen sollen verstärkt digital angeboten werden, zum Beispiel per Videokonferenz.

24/7 Hotline: Die BIG-Hotline soll, statt von 8 – 23 Uhr, 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche erreichbar sein.

Helfen, bevor etwas passiert: Es muss eine Hotline speziell für potentielle Täter eingerichtet werden, die sich ihrer Aggressionen bewusst sind und sich Hilfe holen können, um mögliche Übergriffe zu vermeiden.

Schutzausrüstung: Hilfeeinrichtungen, die direkten Kontakt zu Familien haben, müssen zentral vom Land mit Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln versorgt werden.

Kinderbetreuung: Die Kinderbetreuung, zum Beispiel bei der Gewaltschutzambulanz, ist kurzfristig wieder einzurichten.

Mittelfristig benötigen wir in Berlin:

Schutzplätze: Berlin braucht mehr Schutzplätze. Deshalb muss der  Senat umgehend damit beginnen, das geplante siebte Frauenhaus in Berlin zu errichten. Zusätzlich ist ein achtes Frauenhaus einzurichten.

Kriseninterventionsteams: Um Familien zielgerichtet zu unterstützen, soll der Senat sich dafür einsetzen, dass  in allen Bezirken Kriseninterventionsteams, wie in Marzahn-Hellersdorf geschaffen werden.

Zentrale Beratungsstelle: Die Zuständigkeit für präventive Täterarbeit muss künftig ausschließlich bei einer Senatsverwaltung angesiedelt sein, damit eine zentrale Beratungsstelle zum Schutz vor Gewalt in der Familie, eingerichtet werden kann.

Präventionsarbeit: Die Kürzung der Mittel für die BIG-Prävention, die in den Schulen mit Kindern über das Thema häusliche Gewalt spricht, muss umgehend zurückgenommen werden.

 

Hier finden Sie den kompletten Antrag „Häusliche Gewalt in Zeiten der Corona-Pandemie: Betroffenen schnell helfen!“

Maren Jasper-Winter