Meistergebühren abschaffen

By 18. September 2019Rede

In der Plenarsitzung am 12. September 2019 haben wir als FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin beantragt, die Meistergebühren in der Bundeshauptstadt abzuschaffen. Warum das der richtige Schritt ist, begründe ich in meiner Rede.

 

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren!

Immer wieder hören wir, welche Bedeutung die duale Berufsausbildung für Deutschland und für Berlin hat, dass die Ausbildung gestärkt werden muss und dass wir im Ausland um diese Ausbildung beneidet werden. Viele Reden wurden zu diesem Thema gehalten – passiert ist bisher wenig.

Dabei drängt die Situation dazu, endlich zu handeln: Fachkräftemangel, immer weniger Auszubildende und dadurch auch weniger Meister. Das ist ein Teufelskreis, denn die Meister sind gerade diejenigen, die wieder für die Ausbildung junger Menschen verantwortlich sind. Schauen wir uns die Situation noch etwas genauer an! Wir haben Fachkräftemangel in Berlin, in Deutschland; laut einer Prognos-Studie fehlen uns bis zum Jahr 2030 sage und schreibe mehr als drei Millionen speziell ausgebildeter Menschen.

Wir wissen alle seit Langem um den Trend zur Akademisierung: 2008 haben noch mehr junge Leute eine Ausbildung gemacht. 10 Jahre später ist es so, dass wir heute doppelt so viele Studenten wie Auszubildende haben. Wir haben immer weniger Meister. Seit 2010 ist die Zahl um 25 Prozent ebenso gesunken wie der Anteil der Frauen an der Gesamtzahl, und zwar von 31 Prozent auf nur 19 Prozent. In Berlin – das hat eine Anfrage unseres Fraktionsvorsitzenden ergeben – wurden im Jahr 2010 noch ungefähr 500 Meisterprüfungen erfolgreich absolviert, während es im Jahr 2018 nicht einmal mehr 370 waren.

Politik, finde ich, muss sich an ihren Taten für die duale Ausbildung und auch für die Meisterausbildung messen lassen, nicht nur an Sonntagsreden. Deshalb schlagen wir Ihnen mit diesem Antrag eine Tat vor.

Gebührenfreiheit für die Meisterausbildung – warum? – Durch die Meisterausbildung schaffen Menschen einen sozialen Aufstieg. Sie erlangen mehr Selbstständigkeit, schaffen selbst Arbeitsplätze und sorgen, was ganz wichtig ist, für die Ausbildung von Nachwuchskräften in ihren Betrieben. Und sie sind auch diejenigen, die die aussterbenden Familienunternehmen übernehmen können. Ich war Anfang des Jahres bei der Meisterfeier in Berlin. Da wurden wenige Meisterinnen und noch mehr Meister geehrt und ausgezeichnet. Es war eine sehr bewegende Zeremonie. Viele hatten ihre Familie dabei, die sie während dieser anstrengenden Zeit unterstützt hat, in der man neben der Job auf den Meister hinarbeitet. Dabei wurde deutlich: Es ist familiär, mental und zum Teil auch körperlich eine Herausforderung.

Wir können heute dafür sorgen, dass zumindest die finanziellen Hürden aus dem Weg geräumt werden.

In Berlin kostet allein die Meisterprüfung 740 Euro, während man beispielsweise beim Master keine Prüfungsgebühren zahlt. Hinzu kommen noch die teils hohen Gebühren für die Lehrgänge an sich. Für den Einzelnen sind die 740 Euro viel Geld. Für das Land Berlin würde das etwa 300 000 Euro an jährlichen Ausgaben bedeuten, wenn es diese Gebühren übernehmen würde. Das ist eine relativ geringe Summe angesichts der im Doppelhaushalt eingeplanten Ausgaben in Höhe von 30 Milliarden Euro. Wir können hier demnach einmal etwas Praktisches tun und müssen es sogar. Ansonsten haben wir in Berlin einen Wettbewerbsnachteil gegenüber Brandenburg, denn dieses Bundesland zahlt eine Meisterprämie von 4 000 Euro.

Wir wollen mit diesem Antrag einen ersten Schritt tun, damit wir in Berlin sagen können, wir nehmen unsere Reden, unsere eigenen Worte ernst und setzen sie bei der Meisterbildung in Taten um. Wir sind auch bereit, Geld dafür in die Hand zu nehmen, damit jemand, der eine Meisterausbildung machen will, dem gleichgestellt wird, der studiert.

Wir finden: Ein Meister soll uns genauso viel wert sein wie ein Master. Wir stellen diese beiden Qualifizierungsgänge gleich und wollen sie auch gemeinsam wertschätzen. Zu dieser Wertschätzung und zu diesem Signal der Politik laden wir sie heute ein.

Maren Jasper-Winter