Diesmal möchte ich Elena Colmsee vorstellen. Elena studiert in Mitte Soziologie und Politikwissenschaft mit den Schwerpunkten Gleichstellung und Diversität. Vor allem ist sie aber meine Mentee im Programm von MentorMe. Dass wir beide ein Mentoringpaar bilden, ergab sich vor knapp zwei Jahren aus dem Gespräch mit einer Besuchergruppe im Abgeordnetenhaus. Die Teilnehmerinnen des damaligen MentorMe-Jahrgangs waren bei mir zu Gast und wir unterhielten uns im Anschluss an eine Führung durch den Preußischen Landtag über die Arbeit und den Werdegang als Politikerin, die politische (Zusammen-)Arbeit im Abgeordnetenhaus und wie frau in die Politik kommt.

Dabei wurde mir noch einmal bewusst, wie wichtig für junge Frauen, die am Anfang ihrer beruflichen Karriere stehen, andere weibliche Bezugspersonen sind, die mit ihren auf Augenhöhe ihre eigenen beruflichen Erfahrungen teilen. Ich bin überzeugt, dass Mentees durch gutes Mentoring erfolgreicher werden. Da ich selbst viel Freude daran habe, neue Leute kennenzulernen und damals neugierig den Vorstellungen der Mentees zugehört haben, war klar, dass ich beim nächsten Mal mein Wissen selbst als Mentorin weitergeben möchte und habe mich bei MentorMe beworben.

MentorMe ist ein gemeinnütziges Unternehmen, das 2015 von Karin Heinzl gegründet wurde. Sie hatte die Idee, Frauen, die kurz vor dem Ende ihrer Ausbildung stehen, durch individuelles Mentoring, berufliche Trainings und eine starke Community den Einstieg in die Arbeitswelt zu erleichtern. Viele renommierte Unternehmen können wiederum dank MentorMe frühzeitig mit weiblichen Talenten in Kontakt kommen und gut ausgebildete Fachkräfte an sich binden. Das Netzwerk von MentorMe umfasst mittlerweile 550 Mentees und Alumni-Mentees sowie 700 MentorInnen aus Wirtschaft, Politik und Medien.

In meinen regelmäßigen Treffen mit Elena haben wir schnell viele Gemeinsamkeiten festgestellt, zum Beispiel die bewusste Wahl von Berlin als Stadt unseres Studium und die Faszination für Politik. Als frauenpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus und zuvor als Rechtsanwältin in einem Energieunternehmen waren mir die Fragen, denen sie in ihrem Studium nachgeht, bestens vertraut: wie kann eine geschlechtergerechte Arbeitsteilung bei Familien gelingen und welche Rahmenbedingungen muss die Politik dafür setzen? Das Interesse an feministischen Themen verbindet uns, steht aber nicht so sehr im Fokus wie unsere “Aufgaben”, möglichst genau ihre Potenziale und Stärken zu identifizieren und zu überlegen, wie sie gezielt ein berufliches Netzwerk aufbauen kann und wie – die Frage ist noch offen – sie sich als Doktorandin positionieren müsste.

Dabei kommt mir zugute, dass ich sowohl im Unternehmen als Juristin als auch durch mein ehrenamtliches Engagement bei den (Jungen) Liberalen immer wieder eigene Standpunkte hinterfragen, meine Argumentation verbessern und mich auch oft schnell in neue Sachverhalte einarbeiten musste. Diesen Einblick in die Berufspraxis möchte ich Elena möglichst unverstellt geben und bin schon gespannt, wohin sie ihr Weg führt und ich freue mich auf die nächsten Treffen, in den von ihr so geschätzten Kaffeehäusern in Mitte oder irgendwo in ihrem Wahlbezirk Wedding. Denn dort ist es egal, woher jemand kommt.

Maren Jasper-Winter