In der Plenarsitzung vom 18. Oktober 2018 brachte die AfD-Fraktion einen Antrag zur Stärkung der beruflichen Bildung ein. Meinen Redebeitrag für die FDP-Fraktion findet ihr hier:

Sehr geehrter Herr Präsident /Frau Präsidentin,
sehr geehrte Damen und Herren,

ich ärgere mich jedes Mal, wenn ich die Antworten des Senats auf meine schriftlichen Anfragen zum Thema “berufliche Bildung” lese, ich zitiere:

  • Dazu liegen dem Senat keine Daten vor.
  • Eine Aussage hierzu ist nicht möglich, diese Daten können nicht erfasst werden.
  • Genaue Angaben […] liegen nicht vor.
  • Informationen […] liegen nicht vor.
  • und so weiter.

Und das habe ich nur den letzten Drucksachen (Drucksachen 18/16464, 18/16137 und 18/15471) entnommen. Die Unkenntnis des Senats stapelt sich förmlich auf meinem Schreibtisch. Bei mir ist der Eindruck entstanden, und insofern ist Ihr Ansinnen nicht verkehrt, der Senat ignoriert dieses Thema komplett!

Erstens: Die AfD fordert ein Landesinstitut für berufliche Bildung und will damit de facto eine Doppelstruktur durch eine andere ablösen.

Wir brauchen aber keine Strukturdebatte. Wir möchten, dass die berufliche Bildung qualitativ besser wird. Wir wollen, dass sie anerkannter wird – der Meister soll genauso viel wert sein wie der Master. Wir brauchen echte Anstrengungen von der zuständigen Senatsverwaltung für Bildung und ganz besonders von Frau Scheeres.

Frau Scheeres, verlassen Sie Ihren gemütlichen Senatssessel und kümmern sich um die berufsbildenden Schulen.

Zweitens: Sie wollen die vollschulischen Plätze an den Oberstufenzentren um die Anzahl der freien Ausbildungsplätze reduzieren und damit der dualen Ausbildung immer Vorrang geben. So einfach ist es aber nicht!

Die entscheidenden Fragen stellen Sie gar nicht:

  • Wie gut sind die Ausbildungsgänge an den Oberstufenzentren?
  • Wer absolviert eine vollschulische Ausbildung und hängt danach eine duale Ausbildung dran, die er auch gleich hätte machen können?
  • Wo stecken die Schülerinnen und Schüler nach dem Schulabgang oder -abschluss?

Wir wissen es nicht. Sie verschwinden im System. Und plötzlich – mit im Schnitt 21 Jahren – fangen sie eine Ausbildung an. Nirgendwo in Deutschland starten Azubis ihre Ausbildung später als in Berlin.

Frau Scheeres, ich erwarte, dass Sie auf diese Fragen endlich Antworten liefern. Entweder haben Sie keine Zahlen oder Sie rücken sie nicht heraus. In beiden Fällen kann ich daraus nur schließen: Es interessiert Sie nicht, was aus den Schülerinnen und Schülern wird, wenn sie die Schule verlassen. Was besonders verantwortungslos bei denen ist, die keinen Abschluss in der Tasche haben.

Frau Scheeres, übernehmen Sie endlich Verantwortung für die Kinder dieser Stadt, damit sie eine gute Ausbildung haben. Jeder Jugendliche hat einen Anspruch auf eine echte Chance!

Drittens: Die AfD fordert vom Senat “Konzepte zu Digitalisierung und Personal”. Ganz ehrlich, wenn der Senat könnte oder wenigstens nur wollte, er hätte es doch längst getan. Gucken wir uns doch einmal die Situation genauer an.

Die Morgenpost schrieb kürzlich, die Berliner Berufsschulen seien vom Netz abgehängt. Fast keine Berufsschule verfügt über schnelles Internet oder zeitgemäße Computer. Sie müssen sich das einmal vorstellen: Der Internetanschluss, mit dem wir alle zuhause surfen und streamen, muss am OSZ für Logistik, Tourismus und Steuern für 2.300 Schülerinnen und Schüler reichen. Da können wir gleich jedem Jugendlichen zu Weihnachten ein 56k-Modem schenken…

Dabei gibt es für den Ausbau sogar noch Geld vom Bund. Der Senat verpennt es aber, die Fördergelder beim Bund zu beantragen. Wie peinlich ist das denn?!

Der Fachkräftemangel ist ein Problem in Berlin und er wird sich noch verschärfen, wenn wir nicht endlich die berufliche Bildung mit konkreten Verbesserungen voranbringen.

Niemand hält die AfD davon ab, sich daran zu beteiligen. Aber Ihre vorliegenden Vorschläge sind so inhaltsleer wie ein weißes Blatt.

Ich stelle fest: Die AfD ist ahnungslos und der Senat regungslos. Und das, sehr geehrte Damen und Herren, hat die berufliche Bildung nicht verdient!

Maren Jasper-Winter