Sie lernten sich 1967 in Freiburg kennen: Er kam aus einem liberalen Elternhaus und war schon früh politisch engagiert, sie ist “voll in die Studentenbewegung gerutscht”, ging als Mitarbeiterin in den ASTA und verliebte sich in dessen damaligen Chef und lokalen Studentenführer. Das beruhte auf Gegenseitigkeit. Wolf-Dieter und Connie Hasenclever gehen seitdem gemeinsam durchs Leben. Damals formierte sich nicht nur in Baden-Württemberg eine starke Bürgerbewegung, die sich mit Fragen wie der Verknüpfung einer liberalen demokratischen Marktwirtschaft mit einer ökologischen Wende befasste. Es ging um nicht weniger als die grundlegende Erneuerung der Politik und Gesellschaft. Wolf-Dieter war – zusammen mit dem heutigen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann – eine der prägenden Figuren der grünen Anfangsjahre im Bund und insbesondere in Baden-Württemberg, wo er der ersten Parlamentsfraktion überhaupt von 1980 bis 1983 vorsaß. Die Symbiose mit seiner Frau Connie zeigte sich schon zu dieser Zeit etwa an den ungewöhnlichen ersten Wahlkampfanzeigen: Connie Hasenclever zeichnete sie per Hand. Ab Mitte der 80er-Jahre widmeten sie sich viele Jahre lang einem großen Bildungsprojekt, als sie in Niedersachsen in unterschiedlichen Rollen das Landerziehungsheim Schule Marienau leiteten. Noch bevor die “Scheiß-Mauer” (O-Ton Wolf-Dieter) fiel, war sein Traum jedoch in Berlin zu wohnen, das er von Besuchen zweier Tanten im Ost- und Westteil der Stadt kannte. Der Reiz, den Berlin auf ihn ausübte, verblasste dabei nicht während der knapp 15 Jahre auf dem Land – im Gegenteil. 1999 war es so weit, sie zogen nach Berlin. WDs Büro als politischer Kommunikationsberater war in Berlin-Mitte in der Oranienburger Straße. Connie war nicht sofort von der Atmosphäre der neuen Umgebung infiziert. Deshalb wohnten sie zunächst in Tegel. Erst als sie Mitte besser kennen lernte, zogen 2002 nach Mitte. Der Umbruch, in dem sich die Stadt und der Bezirk befanden, fesselte sie. “Das war spannend und faszinierend, man konnte sich frei fühlen”, erinnert sich sie noch heute. Parteipolitisch war sie schon länger nicht mehr gebunden. “Ich bin fröhlich parteilos”. Wolf-Dieter hatte sich 2001 von den Grünen abgewandt und  unterstützte 2001 den liberalen Spitzenkandidaten Rexrodt, ohne selbst Mitglied zu sein. Denn das Bündnis der Berliner Grünen mit der damaligen PDS war für ihn schlicht ein “Pakt mit den Kommunisten”.

Ihr liberales und humanistisches Weltbild führte Connie und Wolf-Dieter 2004 zu ihrem Engagement beim Network for Teaching Entrepreneurship e.V. (NFTE). Dort konnte sie ihre über dreißigjährige Erfahrung im Bildungsbereich einbringen und hatte bis 2014 die pädagogische Leitung inne. Er war viele Jahre bis Juni 2018 der Vorsitzende des Vereins, der sich für ethisches und unternehmerisches Denken in Selbstverantwortung einsetzt und bis heute über 1.700 Lehrer bundesweit in Entrepreneurship Education  geschult hat. Wolf-Dieter arbeitet nach wie vor als Professor für Entrepreneurship und nachhaltige Wirtschaftsentwicklung an der Fachhochschule des Mittelstands Berlin. Vermutlich passt kaum ein Ort besser zu den beiden als Mitte. Hier finden sie ihr – wie sie es nennen – “globalisiertes Dorf, das zugleich Zukunftslabor ist”, vor. Allein die kulinarische Vielfalt in ihrem Kiez ist für sie ein handfestes Symbol, dass die friedliche Koexistenz vieler Kulturen an einem Ort möglich ist. Dass sie hier einmal wegziehen, scheint mir nach den vielen Begegnungen mit ihnen kaum vorstellbar. Schließlich haben sie erst vor einiger Zeit ihre Wohnung in Kreta aufgegeben, weil die Kinder sie ohnehin lieber in Berlin besuchen, als nach Griechenland zu reisen. Und für die Enkelkinder ist Wolf-Dieter ohnehin “der typische Berliner”, wenn ihr Opa bei einer gelben Ampel noch schnell über die Kreuzung fährt.

Maren Jasper-Winter