Heute vor einem Jahr hat sich das neue Abgeordnetenhaus nach der Wahl am 18. September 2016 konstituiert. Seit einem Jahr ist Politik nicht nur ein zeitintensives Hobby, sondern mein Beruf. Ich vertrete die Menschen aus Berlin-Mitte und die Freien Demokraten im Abgeordnetenhaus von Berlin. Das ist eine große Freude, eine Ehre und Verantwortung zugleich.

Wenn ich zurückdenke, stelle ich fest, dass mich vor allem ein Gedanke bewegt hat: Die Gesellschaft entfremdet sich zunehmend von der Politik und staatlichen Institutionen, wählt auch populistische Parteien. Wie können wir also Demokratie und demokratische Entscheidungen wieder besser mit der Zivilgesellschaft verknüpfen? Wie schaffen wir es, Bürgerinnen und Bürger besser einzubinden und als Politikerinnen und Politiker moderner und direkter ansprechbar zu sein?

Diese Überlegung hat dazu geführt, dass ich mein Wahlkreisbüro in einem Coworking-Space eingerichtet habe. Matthias Lorenz-Meyer hat mich im Coworking-Space „WE’RE ALL IN Coworking“ so offen aufgenommen. Hier lerne ich tolle Menschen kennen, die an ihren überwiegend digitalen Projekten arbeiten, Start-ups, die etwas in Berlin bewegen wollen. Es herrscht eine inspirierende und kommunikative Atmosphäre. Als Politikerin bin ich hier mittendrin.

Die parlamentarische Arbeit begann mit der Besetzung der Ausschüsse. Als Mitglied im Petitionsausschuss versuche ich, diese Möglichkeit der #Partizipation für alle Menschen in Berlin bekannter zu machen. Der Petitionsausschuss ist Spiegelbild der Probleme der Berlinerinnen und Berliner mit ihrer Verwaltung und öffentlichen Unternehmen und gibt mir also konkrete Anhaltspunkte, wo der Schuh drückt. Hier höre ich zu, versuche Probleme zu lösen und konnte auch einige Menschen motivieren, ihr Anliegen mit einer Petition vorzubringen. Positiv überrascht hat mich, wie im Petitionsausschuss über Fraktionsgrenzen hinweg sehr kollegial zusammengearbeitet wird und alle elf Abgeordneten ernsthaft bemüht sind, Lösungen für die Petenten zu finden.

Mit einer Selbstbefassung des Ausschusses habe ich eine Diskussion zur konkreten Verbesserung der Situation der #Standesämter und besonders des Standesamtes Mitte initiiert. Ich habe aber auch gesehen, dass die Mühlen langsam mahlen und wir als Opposition hartnäckig sein müssen. Trotzdem konnte ich zumindest erreichen, dass nun in Mitte Termine endlich auch online für die Anmeldung der Trauung vereinbart werden können. Zu den weiteren offenen Problemen, insbesondere der Verbesserung der Personalsituation, haben wir als FDP Fraktion Berlin einen Antrag in das Plenum eingebracht, der unserer Leitidee entspringt, Berlin zu einer funktionierenden Stadt zu machen.

Mit dieser Offenheit und dem Ziel Brücken zwischen den Menschen in Berlin und der Politik zu schlagen, habe ich eine Initiative von Homesharern aufgegriffen. Mich haben Menschen aus Mitte und Berlin angesprochen, die ihre eigene Wohnung gelegentlich und kurzzeitig an Gäste vermieten möchten. In Form eines offenen Arbeitsprozesses habe ich zusammen mit ihnen den Gesetzentwurf, den die FDP-Fraktion im September zur Legalisierung von Homesharing in das Abgeordnetenhaus eingebracht hat, erarbeitet. Jetzt scheint sich der #Senat allem Anschein nach auf die Homesharer zuzubewegen und eine Entkriminalisierung zu befürworten.

Um Politik und politische Zusammenhänge zu vermitteln, gebe ich auf verschiedenen Social-Media-Kanälen und mit einem Newsletter Einblicke in das, was ich als Politikerin tue. Mit einer Videokolumne berichte ich an Plenartagen immer direkt aus dem Abgeordnetenhaus. Es macht viel Spaß mit meinen Fraktionskolleginnen und -kollegen auch vor der Kamera zusammenzuarbeiten. Alle Videos wären ohne ihre Mitarbeit so nicht zustande gekommen – danke für das Teamwork! Im Abgeordnetenhaus empfange ich auch regelmäßig Besuchergruppen. Die nächste Abgeordnetenhausführung mit Maren Jasper-Winter findet am 3. November statt. Es sind noch einige Plätze frei, meldet Euch an.

Was bringt die Zukunft in meinem zweiten Jahr als Abgeordnete? Seit zehn Tagen bin ich frauenpolitische Sprecherin und Sprecherin für berufliche Bildung der FDP-Fraktion. Insbesondere das Thema der Gleichstellung von Frauen ist ein Herzensthema von mir. Im Bekanntenkreis erlebe ich, dass Frauen im Berufsleben immer noch nicht so anerkannt werden wie Männer und sie mit dummen Sprüchen oder offener oder versteckter Diskriminierung zu kämpfen haben. Auch müssen sie, viel öfter als Männer, Familien- und Erwerbsarbeit unter einen Hut bekommen. Um hier Verbesserungen zu erreichen, möchte ich an liberalen Lösungen arbeiten. Wer Lust hat mitzumachen und sich für #Gleichberechtigung zu engagieren, schreibt mir am besten eine Nachricht.

Ins zweite Jahr starte ich mit einer Erinnerung, die mich noch heute, einige Monate später, motiviert: Im Juni lud ich in mein Wahlkreisbüro zu einer Veranstaltung mit Julia Korbik ein. Sie las aus ihrem Buch „STAND UP – Feminismus für Anfänger und Fortgeschrittene“. Meiner Einladung sind über 80 Frauen und Männer gefolgt – viele (noch) nicht in einer Partei engagiert. Am Ende der Veranstaltung kam eine Frau auf mich zu: „Ich war noch nie auf einer Veranstaltung der FDP; ich war sogar noch nie auf einer Politikveranstaltung. Ich fand es heute Abend ganz toll und möchte mich weiter engagieren.“ Es sind Momente wie dieser, über die ich mich besonders freue und die mich darin bestätigen, dass politisches Engagement – im Haupt- und Ehrenamt – wichtig für unser Zusammenleben ist und dass wir als Politikerinnen und Politiker gerade in diesen Zeiten eine besondere Verantwortung haben. Seien wir mutig!

Es grüßt Euch und Sie herzlichst

Maren Jasper-Winter

Maren Jasper-Winter